meta name="keywords" content="Assos heute, Assos in der Geschichte,Stadtentwicklung & sozio-ökonomische Strukturen, Nekropole, Gymnasium, Agora, Bouleuterium (Rathaus), Tempel der Athene, Hafen von Assos, Heutige Hausarchitektur in Assos

BEHRAMKALE ASSOS v. Prof. Dr. Ümit Serdaroglu 
ARKEOLOJI VE SANAT YAYINLARI  © 1995                          English text
 Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Authors: Bert Genzink (webmaster assos)
 

Inhalt:
Vorwort
Assos heute

Assos in der Geschichte
Stadtentwicklung & sozio-ökonomische Strukturen
Nekropole
Gymnasium
Agora
Bouleuterium (Rathaus)
Der Agora-Tempel
Theater
Das Wohngebiet südlich des Gymnasiums

Häuser auf dem Osthang
Tempel der Athene
Der Hafen von Assos
Heutige Hausarchitektur in Assos




In Dankbarkeit

Ich bin der Verfasser dieses Buches, aber ein Buch dieser Qualität kann nicht nur die Arbeit des Verfassers sein. An erster Stelle akzeptierte der Leiter der archäologischen Veröffentlichungen dieses Landes (Archäologie- und Kunstpublikationen), mein Freund und Verleger , der Archäologe Nezih Basgelen, die Verantwortung dafür, Motor dieses Projektes zu sein. Cem Günübek entwarf das Seitenlayout und die Umschlaggestaltung. Meine Studentin Melisa Orhon schrieb den Text in den Computer. Es ist natürlich eine Binsenwahrheit, daß ökonomische Faktoren die wichtigsten Aspekte für diese Art Veröffentlichungen sind. Wir sind Ayduk Koray sehr dankbar für sowohl seine materielle Unterstützung dieses Unternehmens als auch der bedeutendsten Veröffentlichungen auf diesem Gebiet in diesem Land. Schließlich möchte ich auch meinen Dank aussprechen an meinen Freund und Freund der Archäologie, Turan Yavas, für seine uneingeschränkte Unterstützung und Ermutigung. Ich möchte außerdem dem Kanaat Verlag danken für seine aufmerksame Beachtung der Details und seiner zeitaufwendigen Bemühungen.  

VORWORT
Das heutige Behramkale ist das Assos der Antike. Es wurde gleichfalls Behramköy oder Behram genannt, und war seit dem 18. Jahrhundert Ziel von Reisenden und Seeleuten, die in das Gebiet der Troas kamen.
Die erste ernsthafte Veröffentlichung wurde verfaßt von Choiseul-Gouffier im  zweiten Band seiner Voyage Pittoresque dans L’Empire Ottoman (1809), die sich auf seine Reise in dieses Gebiet  im Jahre 1785 gründet.
Ihm folgte Colonel Leake (1800), Dr. Hunt (1801), Richter (1816), Prokesch von Osten (1826) und viele mehr. Charles Texiers Reise nach Anatolien, einschließlich Assos, in 1833, wurde mit Erläuterungen seiner Untersuchungen später im Jahr 1849 veröffentlicht. Sultan Mahmut II beglückwünschte den Autor und sein Land und dankte mit der Übergabe der Reliefblöcke des Architravs des Athene-Tempels von Assos an den Louvre.  
Clarke und Bacon erhielten 1881 eine Ausgrabungserlaubnis der ottomanischen Regierung als Ergebnis ihrer vorausgegangenen Exkursion nach Assos im Jahre 1879. Ihre Arbeit, die bis 1884 dauerte, zentrierte sich auf den Athene-Tempel, die Nekropole, die Agora und das Theater. Funde und Überreste wurden katalogisiert, und gemäß dem Abkommen mit der Regierung wurden Fragmente und Funde von der Nekropole verteilt. Der Anteil von Clarke und Bacon wurde sodann in das Museum in Boston transportiert. So kam die erste amerikanische Ausgrabung in Anatolien zu ihrem Ende. Die Ergebnisse der Ausgrabung wurden 1921 veröffentlicht.  
Hundert Jahre nach dieser ersten wirklich wissenschaftlichen Grabung sind im Auftrag des Kulturministeriums neue Ausgrabungen und Restaurierungsstudien unter unserer Leitung begonnen worden. Seit dieser Zeit wurde die Grabung in der Nekropole erweitert und die Restaurierung des Athene-Tempels, der besonders wichtig für die Architekturgeschichte ist, begonnen.
In den letzten Jahren ist Assos bei türkischen und ausländischen Touristen sehr beliebt geworden. Da das Interesse von Jahr zu Jahr mehr zunahm, ergab sich daraus auch die Notwendigkeit, einen Führer zu erstellen, der dem Besucher erlaubt, mehr über die Stadt und ihre Geschichte zu erfahren. Diesem Bedürfnis soll dieser Führer entgegenkommen. Karten und Pläne älterer Veröffentlichungen wurden übernommen, wie auch diejenigen, die auf neuesten Funden basieren. Die Photos sind Ergebnisse der Grabungen des letzten Jahrzehnts.  
Wir hoffen, daß dieses Buch Ihnen und Ihrem Besuch in Assos dienlich ist. Da die Erforschung von Assos zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Führers noch nicht vervollständigt ist, können sich noch Änderungen und Nachträge ergeben.  

Prof. Dr. Ümit Serdaroglu
^ oben
ASSOS HEUTE
Der Ort Assos, der heute als Behramköy oder Behramkale bekannt ist, hat seit der ersten Ansiedlung im 3. Jahrtausend vor Christus zweifellos viele Veränderungen durchlaufen. Er war bis heute ohne Unterbrechung bewohnt. Im Gegensatz zur antiken Stadt jedoch liegt das heutige Dorf dem Meer abgewandt auf dem Nordhang des Hügels. Der Grund dafür ist ohne Zweifel in dem seit dem Mittelalter vorkommenden Piratenunwesen entlang der ägäischen Küste zu suchen. 
Von Norden, aus Çanakkale kommend, führt eine 17 Kilometer lange schmale und kurvige Straße von Ayvacik nach Assos. Von Süden befährt man ab Küçükkuyu die asphaltierte Küstenstraße. Eine 2 Kilometer lange Straße verbindet das Dorf mit der Küste, an der man einen winzigen Hafen vorfindet. Von der Antike bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts war es ein kleiner, aber geschäftiger Handelshafen mit zwei Bäckereien, zwei Hotels, Lagerhäusern für Eicheln, die in den Wäldern der Region gesammelt wurden, und einem Zollamt am Hafenbecken. Als die Ausfuhr der Eicheln eingestellt wurde, blieben diese Gebäude leer bis in die frühen achtziger Jahre, als die Ausgrabungen  in Assos begannen. Sie brachten neue Geschäftigkeit nach Behramkale. Die alten Gebäude wurden restauriert und in Hotels und Restaurants verwandelt und Bars, eine Diskothek und Campingplätze eröffnet. Heute bieten die Hotels Yildiz, Behram, Assos, Kervansaray und Nazli Han zusammen mit den Pensionen und Campingplätzen etwa 500 Besuchern Unterkunft. Die faszinierenden antiken Ruinen, das saubere Meer und die reine Luft, köstlicher Fisch und die schöne Landschaft tragen alle zu der Anziehungskraft von Assos bei. Ein weiterer Vorteil dieses kleinen und ruhigen Erholungsortes ist seine leichte Erreichbarkeit über die Straße von Istanbul (6 Stunden) und von Izmir (3 Stunden).  
Die im letzten Jahrzehnt gewachsene Beliebtheit von Assos als Urlaubsort hat den Niedergang örtlicher Handwerkskunst in der Region umgekehrt. Die Teppich- und Kelimwebstühle wurden wieder aufgestellt und es werden neue und originale Teppiche hergestellt, die auf einen aufnahmebereiten Markt treffen.  
         Zusammengefaßt: Assos bietet eine einzigartige Synthese aus Geschichte, landschaftlicher Schönheit und ethnischer Kultur.
^ oben
DAS HISTORISCHE ASSOS
Es ist nicht genau bekannt, wer zuerst Assos besiedelte. Fest steht aber, daß die Stadt seit der frühen Bronzezeit besiedelt war und seither ständig bewohnt wurde.  
Homer schrieb, daß die Menschen, die die südliche Küste der Troas bewohnten, Leleger seien und während der Jahre des trojanischen Krieges ihren Lebensunterhalt als Seeleute und Piraten verdienten. Strabo bestätigt dies und weist darauf hin, daß die Heimat der Leleger sich von Kap Lekton (Baba Burnu) bis zum Berg Ida (Kaz Dagi) erstreckte und zudem das benachbarte Gebiet von Assos mit umfaßte. Es wurde auch behauptet, der älteste Name der Stadt sei Pedasos und der Name Assos davon abgeleitet.  
Die Ilias berichtet, daß Elastos, der von Agammemnon getötet wurde, im steilen Pedasos wohnte, an den Ufern des Satnioeis, und daß der lelegische König Altes (seine Tochter Laothe, die er an Priamus mit einer großen Mitgift vergab, gebar Lykaon und Polydoros), der also der Schwiegervater des Priamus, König von Troja, ebenfalls im hochgelegenen Assos lebte. Die geographische Beschreibung von Pedasos stimmt mit Assos überein, ist aber der Name Assos eine spätere Ableitung von Pedasos? Obwohl in Homers Erzählung viele Siedlungen aus der Troas genannt werden, wir der Name Assos nicht erwähnt. Daraus könnte man schließen, daß  die Stadt den Namen Assos in einem späteren Jahrhundert angenommen hat.  
Behram, der jetzige Name dieses Gebietes, ist abgeleitet von Makhram, einem byzantinischen Beamten, der im Zuge seiner Arbeit nach Assos kam. Strabo jedoch schreibt, daß Pedasos, eine der lelegischen Städte, zu seiner Zeit verlassen war und nie wieder bewohnt wurde. Deshalb ist es wahrscheinlich, daß es sich bei Pedasos und Assos nicht um denselben Ort handelt, da Assos seit seiner Gründung ununterbrochen besiedelt war.  
Die südliche Troas, wo die Mysier aus Thrakien wohnten, wurde das erste Siedlungsgebiet der Äolier, die im 7. Jh. v. Chr. hierhin über Lesbos kamen. Nach Strabo, der sich auf Mysilas und Hellanicos berief, besiedelten zu dieser Zeit Einwanderer aus Methymne Assos. Danach gründete Assos eine Schwestersiedlung in Gargara, etwa 20 km östlich. Strabo aber sagt, indem er sich auf Demetrios von Skepsis beruft, die Menschen in Gargara seien halbe Barbaren und verschieden von denen aus Assos.  
Als die Lydier sie etwa im Jahre 560 v. Chr. einnahmen, war Assos die mächtigste und wichtigste Stadt an der nördlichen Küste des Golfs von Edremit. Es wird gesagt, daß der Reichtum von Gyges, Alyattes und Krösus zum Teil von den reichen Mineralvorkommen zwischen Atarneos und Pergamon herrührte, was in der Einflußsphäre von Assos liegt. Auch Strabo erwähnt ausgegrabene Erdmassen bei den Mineralvorkommen, ein aufgelassenes Bergwerk und eine verlassenen Bergwerksstadt. Heute ist bekannt, daß dieses Gebiet reichhaltige Silber- und Eisenvorkommen bietet.
Während der persischen Herrschaft in Westanatolien blieb die Stadt innerhalb der Grenzen der Persischen Satrapie. So wechselte die einzige Macht, der Assos und die Troas unterworfen gewesen waren. Die ägäischen Städte mußten auf den makedonischen König Alexander warten, um ihre volle Unabhängigkeit wiederzuerlangen, obwohl sie schon halbautonom geworden waren, als die Perser sich wegen ihrer Niederlagen gegen die Hellenen in den Seeschlachten von Salamis, Plataia und Mykale aus dem ägäischen Raum zurückzogen.  
Die zunehmende Macht Athens als Anführer wie auch bei der Bildung des delischen Bundes im 5. Jh. v. Chr. bot den nordwestlichen Stadtstaaten und besonders den Küstenstädten Gelegenheit, sich dem Bund, der im Jahr 478 v. Chr. gebildet wurde, anzuschließen. Assos war, zusammen mit anderen Städten wie Phokaea (Foça), Samos, Teos (Seferihisar), Pitane, Milet, und Lesbos in der ionisch-äolischen Region, Gründungsmitglied dieses Bundes. Der Jahresbeitrag betrug für Assos ein Talent.  
Die Spartaner, halfen, aufgrund einer Übereinkunft mit Darius II aus dem Jahre 412 v. Chr., den Persern bei der Wiedererlangung ihrer Macht an den anatolischen Küsten. Die Niederlage bei Aigospotamos im Jahre 405 v. Chr. nach dem Sieg von Lysander (dem Befehlshaber der Spartaner) über die athenische Flotte (407 v. Chr.) ließ die Bündnisstädte wieder unter die Herrschaft der Perser fallen.  
Nach dem Königsfrieden (Friede von Antalkidas) im Jahre 387 v. Chr. erklärte sich Eubolos, ein Bankier, zum König von Assos. Später aber wurde er von seinem langjährigen Diener, dem Eunuchen Hermeias, der dann die Macht an sich riß, getötet.  
Hermeias, ein Schüler Plato’s, kam eigentlich nicht aus Assos, sondern aus Bithynien. Er war auch ein Schüler und Freund von Aristoteles. Nachdem er Tyrann geworden war, bildete er einen Bund mit Erythrai.  
Er lud Aristoteles nach Assos ein (348-47 v. Chr.) und verheiratete ihn mit seiner Kusine Pythias. Aristoteles blieb 3 Jahre in Assos und lehrte im Gymnasium. Auch Xenokrates wohnte eine Weile, zusammen mit anderen Platonikern, im Palast des Hermeias. Damit unterhielt Hermeias gute Beziehungen zu Hellas und wurde von den Eleanern zu den Olympischen Spielen eingeladen.  
Hermeias’ Unabhängigkeit dauerte bis zum Jahre 345 v. Chr. Memnon von Rhodos, General in der persischen Armee, täuschte ihn mit einer scheinbar freundlichen Einladung. Hermeias nahm die Einladung an, wurde betrogen und gefangen genommen. In Fesseln wurde er in die persische Hauptstadt gebracht, um verhört und später gekreuzigt zu werden.  
Inzwischen hatte der verschlagene Memnon sein Amtssiegel an sich gebracht und allen mit Assos befreundeten Städten Briefe geschickt, die dieses Siegel trugen. In diesen Briefen wurde ihnen bekannt gemacht, daß er seine Herrschaft dem großen König Artaxerxes übertragen habe. So gerieten Assos und die anderen Städte wieder in die Hände der Perser, ohne Kämpfe oder andere Probleme. Aber Assos brauchte nicht lange, sich von der im Niedergang begriffenen Macht der Perser zu befreien.  
Sieben Jahre später (334 v. Chr.) befreite der Sieg Alexanders in der Schlacht am Fluß Granikos die ganze Region. Jedoch blieb es das Schicksal der Troas und Mysiens, in der nach-alexandrinischen Zeit während der Nachfolgekämpfe von einer Hand in die andere zu fallen.  
Während dieser Diadochenkämpfe fiel Assos in die Hände der Gallier, die die Troas besetzten. Über den Zeitraum von 60 Jahren beherrschten die Gallier ein weites Gebiet, von Çanakkale bis nach Makedonien.  
Die Gallier wurden vertrieben, als die pergamenischen Könige an Macht gewannen.  Im Jahre 241 v. Chr. verweigerte Assos, zusammen mit Eumenes und Attalos, die Tributzahlungen an die Gallier und einer nach dem anderen vertrieb sie aus der Region. Die entscheidende Niederlage Der Gallier war jedoch die im Krieg von Arisbe (216 v. Chr.). Assos, vom pergamenischen Königreich beherrscht, teilte das Schicksal Pergamons, als es auf Wunsch Attalos III den Römern zufiel.  
In der römischen Zeit erhielt Assos einen Entwicklungsschub. Zusammen mit mehreren anderen anatolischen Städten gedieh Assos prächtig unter der Pax Romana.  
Als Anerkennung für seine Siege über die germanischen Stämme übertrug der römische Senat die Ostprovinzen im Jahre 17 n. Chr. an den jungen Germanicus. Dieser besuchte mit seiner Frau Ilion -wegen seiner ursprünglichen Beziehung zu Rom- und kam dann nach Assos, wo er als 'neuer Gott' bejubelt wurde.  
Als der jüngste Sohn des Germanicus, Gaius Cäsar, im Jahre 37 n. Chr. im Osten Herrscher wurde, feierten die Bewohner von Assos als erste die Thronbesteigung als den Anfang einer neuen Epoche. Mehr noch, um ihre guten Wünsche auszudrücken, sandten sie fünf Abgesandte zum Herrscher mit der Botschaft, seine Verbündeten seien auch ihre, und seine Feinde die ihrigen. In Rom brachte die Gesandtschaft dem Jupiter Capitolinus Opfer dar.  
Während der Römerzeit, als unter den Provinzen Zusammenschlüsse gebildet wurden, kam Assos zusammen mit Adramyttion, Mysien und der Troas in dieselbe Gruppe, die Dioceseis oder Consensus genannt wurden. Als später, in byzantinischer Zeit, der Conventus von Adramyttion auf andere Provinzen aufgeteilt wurde, kamen Assos, Adramyttion, Gargara und Antandros zur Provinz Asia. Assos war eine der ersten Städte Westanatoliens, die den christlichen Glauben annahm. Der wesentliche Grund dafür war wohl der Besuch von Paulus und Lukas. Auf dem Weg nach Mytilene kam Paulus zu Fuß von Alexandria Troas nach Assos, traf hier Lukas und fuhr mit dem Schiff nach Lesbos.  
Der Name des Bischofs der Troas, Marinus, und der des Bischofs von Assos, Maximus, wurden auf dem Konzil zu Nikäa (Iznik) im Jahre 325 erwähnt, ebenso im dritten Konzil von Ephesus im Jahre 431. Bis in das fünfte Jahrhundert hinein blieb die Stadt bedeutend genug, um Bischofssitz zu sein.  
Während dieser Zeit wurden viele römische Gebäude auf Veranlassung des Kaisers zerstört, Bausteine und Marmorstatuen verbrannt, um Kalk zu gewinnen oder in neuen Bauwerken wieder verwendet. Deswegen sind in der Stadt kaum noch Reste von Marmor zu sehen.  
Assos war Ziel mehrerer Angriffe zu lateinischen, seldschukischen und ottomanischen Zeiten. Dadurch nahm die Bevölkerung allmählich ab und es verkam zu einem kleinen Dorf.  
Obwohl der Schah Süleiman Assos zusammen mit anderen Randgebieten 1080 eroberte, suchte Alexios Comnenos eine Gelegenheit zur Rückeroberung und gewann die Gebiete oberhalb des Flusses Mäander (Menderes) in den Jahren nachdem ersten Kreuzzug zurück. Die Seldschuken zogen sich infolgedessen aus der Troas zurück. Friedrich Barbarossa ließ Assos und Umgebung zerstören, nachdem er während des dritten Kreuzzuges von Kallipolis (Gelibolu) über Lampsakos (Lapseki) weiter nach Süden zog. Zu Beginn des vierten Kreuzzugs wurde die Region von Henri de Hainault erobert, einem Bruder König Baldwins, der seinerseits Adramyttion überwältigte , erobert und verblieb etwa 20 Jahre unter dem Einfluß der Franken.  
Im Jahre 1330 kam, nach langem Druck seit dem Sieg Osmans I bei Lemnos (Limni) 1288, die Region unter ottomanische Herrschaft. Seitdem ist sie ohne Unterbrechung in türkischer Hand gewesen.

^ oben
SIEDLUNGS-
 UND SOZIO-ÖKONOMISCHE STRUKTUREN IN ASSOS
 
Assos war die wichtigste Stadt an der Südküste der Troas, die am Kap Lekton (Baba Burnu) begann. Von der Westküste Ilions führte eine Straße über Lekton nach Assos, Gargara, Antandros und Adramyttion. Eine weitere Straße, die sich in Pergamon gabelte, führte nach Norden in das Hinterland von Ilion. 
Die heutige Straße von Lekton nach Assos folgt beinahe der selben Trasse. Die etwa 17 km lange Straße nach Ayvacik hingegen ist sehr eng und kurvenreich. Die dritte, antike Strecke, von Süden kommend, ist von Küçükkuyu an verbreitert worden, erspart dem Reisenden die steile, kurvige Straße über Ayvacik.  
Die Straße von Assos nach Ayvacik muß in der Antike und im Mittelalter benutzt worden sein, um nach Norden zu gelangen. Dies wird bestätigt durch die Reste zweier Brücken, die zu diesem Zweck gebaut wurden.  
Wenn man aus der Troas kommt, so senkt sich bei Pasaköy die Straße hinunter in das Tal des Tuzla-Flusses. Der Fluß besitzt ein weites Talbecken. Die beiden Dörfer teilen sich die Flächen zu beiden Seiten des Flusses, die landwirtschaftlich genutzt werden. Über den Fluß führen, bzw. führten vier separate Brücken. Heute ist nur noch eine davon zu verwenden. Die bogenförmige ottomanische Brücke neben der heutigen Neuen ist restauriert worden. Weiter im Westen befinden sich die Reste von noch zwei Brücken, eine aus römischer, die andere aus hellenistischer Zeit. Hier sind noch zu beiden Seiten des Flusses breite Steinplatten der ehemaligen  Straße nach Assos zu sehen. Die gepflasterte Straße, die den Fluß überquerte, erreichte die Stadt nach steilem Anstieg von Westen her und gabelte sich in drei Richtungen. Eine Straße überquerte die heilige Straße und führte in die Stadt, eine zweite steil und kurvenreich den Westhang hinunter zum Hafen, die dritte Straße mit noch sichtbaren Spuren zu den Anbauflächen und terrassierten Gärten zwischen den Felsen im westlichen Talgelände.  
Die Stadt wurde auf den Gipfel eines konischen Hügels erbaut, am Rande steil abfallender Felsen. Der Hügel, mit der höchsten Erhebung 236 Meter über dem Meeresspiegel, ist umgeben von 3200 Meter langen, starken Stadtmauern und ist nur im Süden entlang der zum Meer gelegenen Klippen ungeschützt. Im Osten wird der Abschnitt südlich der Klippen durch ein Tal unterbrochen. Entlang der Stadtmauer, die die nördliche Grenze der westlichen Nekropole bildet, kann man in den ineinandergebauten Mauern unterschiedliche Bautechniken erkennen, die auch das Aussehen der Mauern beeinflussen.  
Die Mauer aus vieleckigen Steinen (polygonal), die ohne Krampen und Mörtel gebaut ist, stellt die älteste dar und stammt aus dem 6. Jh. v. Chr.. Teile dieser polygonalen Mauern kann man auch in verschiedenen anderen Gebäuden sehen.  
Die westliche Stadtmauer besitzt sechs Tore, eines davon ist das Haupttor. In Wirklichkeit gibt es aber zwei Haupttore. Eines ist das West-, das andere das Osttor, das mit Doppeltürmen versehen ist. Im Vergleich zum Westtor befindet sich dieses aber in einem schlechteren Zustand.  
Normalerweise waren die Türme der Stadtmauern von Assos viereckig. Nur ein Turm, der in Form eines Halbkreises gebaut und an die Bergflanke dem Fluß Satnioeis zugewandt, gebaut wurde, ist noch in nahezu perfektem Erhaltungszustand. Er wurde in der hellenistischen Zeit errichtet. Ein großer Teil der Stadtmauern, die heute noch in Assos erhalten sind, stammen aus dem 4. Jh. v. Chr.. Die Höhe der Türme beträgt 13 bis 14 Meter, die Dicke reicht, je nach Lage, von 3 bis zu 5 Metern. Die Mauern wurden aus rektagonalen Steinen errichtet. Die Hohlräume zwischen Innen- und Außenmauer wurden mit Schutt aufgefüllt. Die Stadtmauern sind ein gutes Beispiel für das Militärhandwerk dieser Zeit. Eine besondere Konstruktion wurde für Stein- und Pfeilwurfmechanismen erbaut, und die Verteidigung von Soldaten, die sich außerhalb der Mauern befanden, wurde ebenfalls berücksichtigt. In den Türmen und Mauern gab es zudem Fenster und Schießscharten.  
Die antike Stadt entwickelte sich besonders auf dem felsigen Untergrund des von Mauern umgebenen südlichen Teils des Hügels, der von oben dem Meer zugewandt war. Dieser Teil des Hügels wurde als Steinbruch benutzt, zur Gewinnung von Baumaterialien für die Bauwerke auf den von Menschenhand geschaffenen Terrassen. Vom norwestlichen Tor aus folgt die Straße, die in die Stadt hineinführt, dem natürliche Schwung des Hügels. Die Gebäude befanden sich ursprünglich auf den Terrassen, die parallel zu dieser Straße lagen. Aus diesem Grund ist die Bebauung nicht gitternetzartig, sondern fügt sich in Form von konzentrischen Bögen harmonisch in die Topographie ein. Die geschwungenen Straßen waren durch im rechten Winkel abbiegende steile Treppen miteinander verbunden.  
Vom Westtor aus wurden das Gymnasium, das Bouleuterion, Badehaus und das Theater gebaut, so daß sie um die  für vielerlei Zwecke genutzte Agora herum das Zentrum des sozialen und öffentlichen Lebens bildeten. Das Gebiet, das sich zwischen dem Bogen, an dem Gynasium, Agora und Bouleuterion lagen, und der Akropolis befand, wurde nicht häufig in Anspruch genommen.  
Das Wohngebiet der Stadt befand sich terrassenförmig auf den Süd- und Osthängen. Durch diese Art der Bebauung bot Assos ein für eine Stadtanlage einzigartiges Erscheinungsbild.  
Es fällt nicht schwer, sich Assos mit seinen herrlichen Gebäuden auf den terrassierten Felshängen vorzustellen. In der Antike und im Mittelalter muß die Stadt eindrucksvoll gewesen sein. Assos besitzt zwei Nekropolen. Die erste und bedeutendere ist die Westnekropole, auf den Terrassen an der Straße, die zum Westtor führt. Die andere ist die Ostnekropole, vor dem Osttor gelegen. Die Westnekropole dehnte sich in späteren Jahren bis zum Ayazma-Hügel  nach Westen hin aus. Dort befinden sich eine byzantinische Kirche mit angrenzenden Gebäuden und einige Brennöfen für Keramiken. Man ist der Ansicht, daß die Stadt außerhalb der Mauern im 4. und 5. JH. v. Chr. erweitert wurde. Andererseits wurde der Teil der Stadt, der innerhalb der Mauern, an der dem Meer abgewandten Seite des Hügels nördlich der Akropolis lag, mehr als Steinbruch für die Gewinnung von Baumaterial genutzt und bis zum vorigen Jahrhundert nicht bewohnt.  
Wie viele andere Siedlungen an der südlichen Küste der Troas besaß auch Assos nicht genügend landwirtschaftliche Flächen, um die Stadt zu ernähren. In begrenztem Maß wurde im Tiefland zu beiden Seiten des Flusses Satnioeis (Tuzla Çayi) Weizen und Gerste angebaut.  
Außer diesen wurde Obst-, Wein- und Olivenanbau auf den terrassierten Hängen der Stadt betrieben Die Umweltbedingungen haben sich sei der Antike in Assos nicht sehr geändert, und so sind die Früchte auch noch im modernen Behramkale anzutreffen.  
Viehzucht hat seit der Antike eine wichtige Funktion. Antike Quellen besagen, daß Assos Wolle von seinen Schafherden ausführte. Außerdem waren hiesige Teppich- und Vorlegewaren berühmte äolische Exporte.  
Neben der Landwirtschaft war Metall ein bedeutender Faktor. Silber und Eisen waren die Grundlage für den Wohlstand dieses Gebiet. Eisenschlacke, Rückstände aus Brennöfen, sind immer noch auf dem Osthang von Assos zu finden und sind Beleg für das ehemalige Vorhandensein von Schmiedewerkstätten.  
Der Transport über das mehr barg in der Antike weniger Risiken und war schneller als auf dem Landweg. Ein Schiff, das zum Beispiel von Azak am Schwarzen Meer nach Ägypten fuhr, legte eine Strecke von 1200 Meilen zurück. Es benötigte dafür 20 Tage bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 4 Meilen in der Stunde. Für die Fahrt mit dem Schiff von Assos nach Ägypten brauchte man 8½ Tage. Aus diesem Grund ist es verständlich, das urbane Zentren, die Überschuß erwirtschafteten und selbständig blieben, an den Küsten und den Flußmündungen entstanden.  
Wahrscheinlich war Assos in früherer Zeit ein Handelshafen. Von ihm aus wurden Waren zur See zu den Marmara-Häfen transportiert; zudem bot er die Möglichkeit, von Güter des anatolischen Hinterlandes zu exportieren. Abgesehen war Assos, neben der Bucht von Sivrici, der einzige Hafen an der ganzen Küste, der den Seeleuten Schutz vor den rauhen Winden auf der Fahrt von Lekton nach Adramyttion bot.  
Zu Beginn des 4. Jahrhunderts konnten die Handelsschiffe bis zu durchschnittlich 100 bis 150 Tonnen Waren aufnehmen. Im Sommer konnten sie tägliche Verkaufs- und Einkaufsfahrten entlang der Küste unternehmen. Indem sie Waren kauften und verkauften, wurde in jedem der verschiedenen Häfen, die sie entlang der Küste anliefen, Geld verdient. Wenn diese Waren über weite Strecken transportiert wurden, erhöhten sich natürlich dadurch ihre Preise. Die Kosten des Transports zur See konnten nur niedrig gehalten werde, wenn größere Schiffe mit mehr Fassungsvermögen gebaut wurden.  
Obwohl Assos so seinen Einfluß auf den Überseehandel wegen der Entwicklung neuerer maritimer Techniken verlor, behielt es doch seine Bedeutung in der Küstenschiffahrt. Assos verkaufte weiterhin Waren aus dem Hinterland über die Insel Lesbos.  
Diese o.a. Fakten beeinflußten zweifelsohne die Größe von Assos und seiner Bevölkerungszahl. Zwar veränderte sich die Zahl der Einwohner aus unterschiedlichen Gründen in den verschiedenen Epochen, sie betrug aber normalerweise zwischen 4500 und 6000. Einer der wesentlichen Kriterien zur Bestimmung der Einwohnerzahl ist der jährliche Beitrag zum attisch-delischen Bund. Nach geltendem Recht bezahlte jede Mitgliedsstadt 1½ Drachme pro Kopf. Assos zahlte 1 Talent zu 6000 Drachmen, daraus errechnet sich die Zahl von 4500 Einwohnern. Diese Zahl stimmt auch mit der Bevölkerungszahl überein, die auf der Fläche von 10 Hektar an den östlichen und südlichen Hängen wohnen konnten. Aufgrund der politischen und ökonomischen Verhältnisse ist seit dem 7. Jahrhundert bis heute die Einwohnerzahl von Assos ständig zurückgegangen, bis auf den jetzigen Stand von etwa 500.  
Unterschiede in Lebensart und Lebensbedingungen der sozialen Schichten spiegeln sich wieder in den Orten, wo sie wohnen. Der Lebensstandard und die Lebensart eines Arbeiters in Assos unterschied sich natürlich von dem seines Nachbarn, wenn dieser Landbesitzer, Arbeitgeber oder Eigentümer einer Handelsflotte war. Andererseits hatte jemand, der unter dem Schutz einer seit Jahrhunderten bestehenden Aristokratie stand, eine ganz besondere Lebensart. Wenn diese Person auch noch reich war, nahm er eine besonders herausragende Stellung in dem Stadtstaat ein.  
Assos war auch die Heimat vieler bedeutender Persönlichkeiten. Der stoische Philosoph Kleantes, Nachfolger des berühmten Philosophen Zenon von Klition, kam aus Assos. Auf einer Inschrift in Assos ist zu lesen, daß die Einwohner von Stratonikeia dem Volk von Assos für die Entsendung eines sehr geschickten Richters, der einem Prozeß vorstand, danken.  
Natürlich gab es, wie überall in Westanatolien, auf den Inseln und dem hellenistischen Festland, auch Fremde. In Assos waren diese Fremden, Metoikos genannt, recht zahlreich. Sie konnten in der Landwirtschaft oder im Handel arbeiten, hatten aber kein Stimmrecht, genauso wenig wie die Sklaven. Diese, die in den Gärten, in der Landwirtschaft, den Werkstätten, Häfen und auf Schiffen arbeiteten, waren aus unterschiedlichen Gründen zu Sklaven geworden. Es mußten nicht unbedingt Fremde sein, denn es war nicht unüblich für Bürger, die ihre Schulden nicht bezahlen konnten, zu Sklaven zu werden. Diese Vielfalt an sozialen Schichten beherrschte das tägliche Leben in Assos.  
Athena, Tochter des mächtigen Zeus und Göttin der Künste und des Krieges, war die Beschützerin von Assos. Sie wurde überall entlang der nördlichen Ägäisküste verehrt. Mehrere äolische und ionische Städte bauten ihr geweihte Tempel. Die bekanntesten Tempel der Athena waren in Smyrna (Izmir), Phokaia (Foça) und Troja.  
Außer Athena wurde auch Hermes verehrt, als Beschützer des Gymnasiums, Gott der Reisenden und der Diebe, und als Führer der Verstorbenen in den Hades. Tykhe, Telesphoros und Asklepios als Gott der Gesundheit wurden in römischer Zeit ebenfalls verehrt. Auf den Münzen aus Assos sind als Attribute des Zeus Blitz und Stierkopf zu sehen.  
Natürlich hatte Assos als unabhängiger Stadtstaat eine eigene Münze. Nach unserem heutigen Wissen sind die ältesten Münzen aus Assos nicht früher als aus dem 6. Jh. v. Chr. zu datieren. Es gibt einige Münzen mit dem behelmten Kopf der Athena auf der einen, und einem Gryphus auf der anderen Seite. Manchmal wurde auch eine Eule, ebenfalls eine ihrer Eigenschaften entsprechend, an ihrer Statt abgebildet. Motive wie Stierkopf, der Kopf der Medusa, Löwenkopf, Weintrauben und Schwan sind außerdem auf den Münzen zu sehen.  
Währen der Römerzeit war assisches Geld noch im Umlauf. Die meisten der noch vorhandenen Münzen stammen aus der Zeit des Augustus (spätes 1. Jh. v. Chr.), des Claudius, Titus und Commodus. Unter ihnen befindet sich eine, die Asklepios, auf seinem Thron sitzend, darstellt. Zweifelsohne war er einer der geschätzteren Götter in Assos im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Dies wird bestätigt durch einen Altar mit dem Relief des Asklepios und Attributen wie Schlange und Giftbecher, die während der Ausgrabungen gefunden wurden.

^ oben
NEKROPOLE  

Nachdem die breite, mit Steinen gepflasterte Straße vom Fluß Tuzla aus hügelanwärts gestiegen ist, erreicht sie das Westtor. 300 Meter jedoch, bevor sie das Tor erreicht, ändert sich die Kulisse. Die Straße verzweigt sich. Ein Abzweig führt am Grund der Stadtmauer entlang zu dem kleinen Tor in der Nähe des Westtores. Der andere Abzweig ist die Hauptstraße, die durch das prächtige, von zwei Doppeltürmen flankierte Westtor in die Stadt führt. In der Römerzeit lagen zu beiden Seiten dieser Straßen die Grabmonumente, einige auf Terrassen gelegen, andere von Mauern aus schön gehauenen Steinen umgeben. Nahezu alle sind jetzt nur noch Ruinen, aber die Reste verraten dem kundigen Auge doch noch genügend die ganze Pracht ihres ehemaligen Aussehens. In der Antike befanden sich die Friedhöfe außerhalb der Stadt, und meistens zu beiden Seiten der Hauptstraße. So konnte jeder, der in die Stadt kam, die Gräber sehen und ihnen einen Gruß senden. Ein Friedhof innerhalb einer Stadt ist ungewöhnlich. Große Grabmonumente, hier kaum zu sehen, waren ein außerordentliches Privileg, das vom Rat der Stadt an Personen vergeben wurde, die sich besonders um die Stadt verdient gemacht hatten. Die dicke Schicht Erde, die die Nekropole bis zum Beginn der Ausgrabungen 1881 bedeckte, hat die Überreste, so gut es ging, erhalten. Als aber die Ausgrabungen 1884 endeten, wurden alle ausgegrabenen Überbleibsel im Laufe der Zeit zerstört. Als 1981 die Ausgrabungen wieder begannen, wurde auch die Restaurierung der Funde aus dem vorigen Jahrhundert in Angriff genommen. Die Nekropole wurde wegen des Gefälles des Hügels auf den Terrassen des oberen Teils angeordnet.  
Der Grad der Beachtung, der der Wahl des Ortes, und die Bedeutung, die dem Grabmonument zukam, weist darauf hin, wie tief der Totenkult in der Vergangenheit verwurzelt war und wie wichtig er von den antiken Völkern genommen wurde. Die Verbindung von Leben und Tod war etwas, was alle Menschen dieser früheren Zeiten beschäftigte.  
In jenen Tagen waren Schlaf (Hypnos) und Tod (Thanatos) als Kinder der Schwarzen Nacht bekannt, wobei der Schlaf als friedvoll und entspannend, der Tod hingegen als schmerzvoll galt und Trauer verursachte. „Wer von den Händen des Todes ergriffen wird, kann ihnen nicht entkommen, wer zum Hades hinunterfährt, dem Reich der Finsternis, in anderen Worten, wer dem Tod begegnet, kann nie wieder zurückkehren.“ Nach Hesiod, der im 6. Jahrhundert lebte.  
Die Vorbereitung des Toten für die Reise war Pflicht und Verantwortung für die Familie, insbesondere für den Sohn. Wenn er oder sie einen Verwandten, einen nahen Freund oder mit den örtlichen Autoritäten sehr gut bekannt gewesen war, übernahmen diese alle notwendigen Vorbereitungen. Nur in außergewöhnlichen Fällen durfte ein Fremder den Toten berühren. Normalerweise wurde der Körper des Toten von den Frauen für die Zeremonie vorbereitet. Wenn der Tote ein Mann war, mißte die Frau älter als 60 oder aber eine nahe Verwandte sein. Einen Tag nach dem Tod wurde der Körper gewaschen, weil man glaubte, der Tod verunreinige alles. Anschließend wurde der Körper mit Olivenöl gesalbt. Nachdem ihm das Kinn festgebunden war, wurde der Tote angezogen und mit einem Leintuch bedeckt. Wenn dieser, Prothesis genannte, Vorgang beendet war, wurde der Körper auf einem Tisch, in einem Bett oder auf eine dicke Unterlage (stroma) wie einem Teppich gelegt und ein Kissen wurde unter seinen Kopf geschoben, damit dieser höher lag. Ein anderer Brauch war, eine Münze in den Mund zu legen, und zwar unter die Zunge. Nach damaliger Überzeugung war dieser Fahrpreis für Charon, den Fährmann, der den Toten über den Fluß Styx transportierte. Nun konnte die Trauerzeremonie beginnen. Sie dauerte neun Tage, und Frauen klagten unter Tränen um den Toten, rissen sich Haare aus und schlugen sich auf Kopf und Brust. Auch war es Sitte, zu Schreien und beide Arme himmelwärts zu erheben. Männer kamen zu Fuß oder zu Pferd zum Haus des Verstorbenen, in dem die Zeremonie abgehalten wurde, erhoben ihre rechte Hand, die Innenfläche nach außen gewendet. Das Trauerzeremoniell wurde auch von Musik begleitet.  
Am nächsten Tag, dem dritten nach dem Tod, wurde der Körper schweigend auf einer Bahre oder einem Wagen durch die Straßen zum Begräbnisplatz gebracht. Dieser Akt wurde vor Tagesanbruch durchgeführt, und das Schweigen wurde strikt eingehalten, denn es war gesetzlich vorgeschrieben. Frauen nahmen daran nur ab einem bestimmten Alter, und wenn sie mit dem Toten verwandt waren, teil. Dieser Vorgang war so bedeutend, das sogar die Art der Bekleidung gesetzlich verordnet war.  
In der Nekropole angekommen, wurde der Sarg mit einem einfachen Ritual in das Grab gesenkt. Obwohl es manchmal verboten war, wurde ein Opfer oder eine Libation (Trankopfer aus Wein oder Wasser) dargebracht. Während der Beerdigung wurden dem Toten seine liebsten Gegenstände oder Geschenke mit ins Grab gegeben. Man hat entdeckt, daß die Innenwände des hölzernen Sarges rot angemalt waren.  
Nachdem man von der Beerdigung nach Hause zurückgekehrt war, wurde ein Krug mit Wasser vor die Tür gestellt. Es zeigte an, daß es sich um ein Trauerhaus handelte. Weiter symbolisierte es, daß das Haus verunreinigt war und jeder, der das Haus verließ, sich zuerst mit dem Wasser aus diesem Krug reinigen mußte. Im Haus des Verstorbenen wurde eine Begräbnismahlzeit (Perideipnon) zubereitet, die gemeinsam eingenommen wurde und dabei tauschte man Erinnerungen an den Toten aus.  
Nach neun Tagen kamen die Verwandten auf dem Friedhof wieder zusammen und man vollzog ein Erinnerungszeremoniell (Taenaia). Die offizielle Trauer endete am dreißigsten Tag. Die Erinnerung an das Ansehen des Toten endete aber damit nicht. Jährlich einmal wurde mußte eine Erinnerungszeremonie vollzogen werden. Dieser Tag wurde entweder Genesis, Nemesia, Epitaphia oder Antesteria genannt. Es wurden Blumen, Lebensmittel und Wein dargebracht und geopfert. Auch wurde an diesem Tag das Grab besucht.  
Die Architektur der Nekropole aus der römischen Zeit in Assos zeigt einen charakteristischen Stil und Reichtum. Neben den Familiengräbern hinter Mauern gab es außerdem große Sarkophage auf hohen Podien mit Steinbänken daneben. Im 2. und 3. Jahrhundert wurden Grabmonumente gebaut, die aus ein- oder zweifach gewölbten tunnelartigen Räumen bestanden. Das interessanteste Beispiel dazu ist das des Publius Varius am Fuße des nördlichen Turms des Westtores. Es bestand innen aus einem Tunnelgewölbe und hatte außen ein Giebeldach. Aus den verstreuten Resten kann man eine Restaurierungszeichnung erstellen.  
Gemeinsam mit der Insel Marmara (Prokonnessos) im Marmarameer (Propontis) war Assos berühmt für die Produktion und die Ausfuhr von Sarkophagen. Diejenigen aus Assos bestanden aus dort vorhandenem Andesit. Von den Exemplaren im Istanbuler Archäologischen Museum läßt sich ableiteten, daß sie zu jener Zeit nach Byzanz verkauft wurden. Assos verkaufte nicht nur Sarkophage, sonder über einen langen Zeitraum hinweg auch halbverzierte Steine, die man in den Steinbrüchen gewann. Zwei große Säulen aus Assos stehen heute auf dem Markusplatz in Venedig.  
Einige Beigaben, die man in Gräbern aus dem 6. und 5. Jh. v. Chr. fand, wurden in das Museum in Boston gebracht. Die damals vor Ort gebliebenen Monumente werden, zusammen mit den Funden aus den seit 1981 wieder aufgenommenen Ausgrabungen, zur Zeit restauriert.  
^ oben
GYMNASIUM 
Im Morgengrauen erwachte das Leben in den Häusern und Ämtern der Städte und Dörfer. Mütter machten ihre Kinder fertig, und „paidagogos“ genannte Beamte, halb Verwaltungsbeamte, halb Ausbilder, kamen aus ihren Hoftoren ihrer Häuser, die mit den Rückseiten zueinander auf den Terrassen des Osthanges standen, und führten die Kinder zum Gymnasium in der Nähe des Westtores. Dieses, wahrscheinlich anstelle eines älteren, in dem Aristoteles drei Jahre lang gelehrt hatte, im 2. Jh. v. Chr. erbaute Gymnasium, war ein einfaches Gebäude, das aus einer offenen Platz von 40 x 31,25 Metern für sportliche Übungen, Klassenzimmern, Ankleide- und Eßräumen hinter von Pfeilern gesäumten Gängen (portico), bestand. Die Säulengänge befanden sich auf der Nord-, Süd- und Westseite der Palaistra (Trainingsplatz), während sich an der Ostseite eine Mauer befand. Die Basaltsäulen der Porticos sind  monolithisch (aus einem Stück). Hinter dem nördlichen Portico war ein Ephebeion (Ephebenhalle, (geschlossener Klassenraum))  mit einer doppelten Säulenreihe davor. Ein rundes Bad von 8,50 Metern im Durchmesser, war an der Nordwestecke des Gebäudes angebaut. Der Haupteingang des Gymnasiums war an der Südseite, der Hauptstraße zugewandt. Zum südlichen Säulengang führte ein halbkreisförmiges Treppenhaus, bestehend aus drei Stufen und einem Korridor. Außerdem gab es noch einen Eingang von Westen. Die Klassenräume waren sehr wahrscheinlich eingeschossig. Obwohl die Bedeutung der vier Klassenzimmer und des Porticos, die schräg rechts vom Haupteingang angeordnet sind, noch nicht ganz geklärt ist, gehören sie dennoch zum Gymnasium. Da Wasser immer ein Problem in Assos war, gab es unter dem Trainingsplatz eine in den Felsen geschlagene Zisterne, die später von einem Steingewölbe überdacht war. Das Wasser wurde in Eimern hochgezogen und in die Baderäume gebracht. Der Wassertransport, das Reinigen der Zimmer und des Übungsplatzes, war Aufgabe der Schüler. Dabei kontrollierten die älteren Schüler die jüngeren. Von morgens bis mittags fanden, unter Aufsicht der Lehrer, die sportlichen Übungen statt, wie Ringen, Boxen, Diskus- und Speerwurf, Weitsprung der Stadienlauf (200 Meter), der einzeln unternommen wurde. Die Jüngeren begannen diese Aktivitäten, nachdem sie sich mit reinem Olivenöl aus den Hainen von Assos eingerieben hatten. Wenn sie danach mit Sand und Staub bedeckt waren, kratzten sie sich zuerst mit einem ‘striglis’ bronzenem oder eisernen Gegenstand ab, und nahmen dann ein Bad. Falls das Gymnasium sich nicht am Rande eines fließenden Gewässers befand, wuschen sie sich an der Stirnseite des Marmorbeckens im später am Nordende angebauten Bad.  
Die Nachmittagsstunden bestanden aus Sprachunterricht, Grammatik, Rhetorik, Geographie, Mathematik, Philosophie und Musik. Im Erziehungssystem jener Zeit waren Mathematik und Musik genauso wichtig wie die körperliche Ertüchtigung.  
Der Unterricht wurde beendet, wenn die Sonne westlich von Assos hinter der Stadt der Methymner von Mithylene , die Assos als Kolonie gegründet hatten. Die Kinder gingen mit ihren Büchern, Abakussen, Sportsachen und Parfümfläschchen, aryballos genannt, nach Hause.  
Aus den Inschriften auf dem Architrav, der bei den Ausgrabungsarbeiten am nördlichen Portico gefunden wurde, ist zu entnehmen, daß dieses Portico im späten ersten Jahrhundert wieder aufgebaut wurde: „Quintus Lollius Philetarios, der Priester des Gottes Cäsar Augustus für die Menschen ist“. Der Vorsteher des Gymnasiums besaß den Titel ‘gymnasiarkhos’, und trug zum Zeichen seiner Würde eine goldene Krone. Später, im 6. Jh., zerstörten die Anhänger des neuen Glaubens die Schule des Aristoteles, in dem sie statt dessen in seiner Mitte eine Kirche bauten. Baumaterial aus dem Gynasium wurde für das Kirchenschiff und für die achteckige Apsis der Basilika, die der Ostfassade hinzugefügt wurde, verwendet. So endete die Existenz des Gymnasiums.  
^ oben
AGORA
Die Erwachsenen führten natürlich, je nach Beruf und Interessen, ein anderes Leben. Freie und Reiche, gebürtige Aristokraten und Männer aus angesehenen Familien, die wegen dieser Eigenschaften dem Rat der Stadt angehörten, verließen ihre auf dem Osthang gelegenen Häuser gegen Mittag. Sie waren gut gekleidet, mit parfümierten Bärten und gingen über die gepflasterten Straßen direkt zur Agora. Sie war in Assos, wie in jeder antiken Stadt, das Herz des Gemeinwesens. Die Agora von Assos, die zu späthellenistischer Zeit gebaut wurde, nimmt wegen ihrer architektonischen Aufbaus und ihrer Lage einen Sonderplatz unter den Agoren der damaligen Zeit ein. Es könnte als einheitlicher Gebäudekomplex beschrieben werden. Im Westen befand sich ein kleiner Tempel und im Osten ein Bouleuterion, ein Rathaus. Zum Süden hin lag ein öffentliches Bad. Die an Fläche 4000 Quadratmeter messende Agora wurde nach Norden und Süden durch zwei schmale und lande Gebäude, oder ‘stoai’, begrenzt. 
Die nördliche Stoa in Assos war zweigeschossig,  115,5 Meter lang und 12,42 Meter breit. Dieses, über fünf Stufen zu betretende Gebäude, war zum Süden, dem Meer entgegen, gewandt. Im ersten Geschoß stütze eine Reihe von 37 Säulen, die im Abstand von 2.63 Metern voneinander entfernt standen, das Obergeschoß und teilte dabei das Gebäude längs in zwei Schiffe. Die Nordstoa war nicht geschlossen. Sie war eher dazu gedacht, den Bürgern an regnerischen Tagen Schutz zu bieten und an sonnigen Tagen Schatten zu spenden als Wandelhalle. In anderen Worten, diese Art Stoa war für öffentliche Zusammenkünfte und zum Flanieren gedacht. Hausierer und Händler stellten hier ihre Waren aus und Pfandleiher boten ihre Dienste an. 
Als die Nordstoa gebaut wurde, schlug man den Felsen senkrecht ab und versah ihn mit einer Mauer aus roh behauenen Steinen, vor die man dann im Abstand von 0,70 Metern die eigentliche Rückwand der Stoa setzte. Sie wurde aus dünnen und dicken Lagen von regelmäßigen rechteckigen Steinen gebildet. Löcher, die heute mit einer Größe von 40 x 50 Zentimetern und im Abstand von 35 Zentimetern in der Wand zu sehen sind, nahmen ursprünglich die Holzträger, die sich im Fußboden des Obergeschosses befanden, auf. Hierauf stand eine Reihe von marmornen Halbsäulen Rücken an Rücken, die das Säulengebälk stützten. Die Geschoßhöhe in der Nordstoa war unterschiedlich. Die Höhe des Erdgeschosses betrug 6,90 Meter, die des Obergeschosses 4,40 Meter. Letztere war am Westende durch ein Tor mit einer rückwärtigen gepflasterten Passage verbunden. Der andere Eingang war an der schmalen Ostfassade. Der Boden der Agora war mit Steinplatten gepflastert. Darunter befand sich vor der Nordstoa ein Wasserreversoir.  
Die Südstoa ist kleiner, aber vielgeschossig. Sie war vor die Agora-Terrasse gebaut. Ihre Rückseite befand sich ebenfalls ca. 1 Meter von dem Terrassenbereich entfernt. Es ist mehrgeschossig (floor building), mit einem Wasserreservoir und einem Kellergeschoß. Die Vorderseite des Kellergeschosses ist nach Süden zu offen und die Räume darunter als Wasserspeicher gedacht. Eine dieser Zisternen ist 41,60 x 2,75 Meter groß, die andere 14,85 x 2,37 Meter. Sie waren durch steinerne Kanäle mit einem römischen Bad verbunden. Das oberste Stockwerk dieses Gebäudes, 69 m lang und 12 m breit, sieht von der Agora wie einstöckig aus. Seine Fassaden zur Agora und zur See waren offen und erschienen wie eine überdachte Terrasse. Darunter war ein Zwischengeschoß, zu dem man von innen durch ein Treppenhaus an der Westecke gelangte, und von außen durch eine Treppe im Osten. Entlang eines Ganges war es in 13 Zimmer aufgeteilt. Weil man hier während der Ausgrabungen Wasserinstallationen fang, wird angenommen, daß es sich dabei um Bäder handelte. Später. In römischer Zeit, wurde ein zusätzliches Bad vor der Südstoa errichtet. Andererseits deuten Funde darauf hin, das es einen Marktplatz südöstlich der Agora und östlich der Nordstoa gab. Am Fuße der Westmauer der Südstoa gab es ein Grabmal mit einer Tempelfassade. Aus einer Inschrift, die bei den Ausgrabungen von 1881 gefunden wurde, läßt sich entnehmen, daß dieses Gebäude ein Grab mit Innenmauer war, das die Bevölkerung von Assos den Söhnen von Hephaistogenes, Kallistenos und Aristias, für Verdienste um die Stadt gespendet hatten.  
Die Agora in Assos war nicht nur ein Marktplatz. Das Herz der Stadt schlug hier, die Volksversammlung, Ekklesia genannt, fand hier statt, Referenden zu wichtigen Angelegenheiten wurden abgehalten, Feste wurden gefeiert und manchmal sogar sportliche Wettkämpfe organisiert. Der Beamte der Agora, für ein Jahr gewählt, führte den Titel ‘agoranomos’ und war als einer der beiden höchsten Beamten angesehen. Sein Büro war in der Agora.  
Agoranomoi waren verantwortlich für Ordnung und Sicherheit, auch dafür, daß bei jeglichem Handel die Qualitätsanforderungen, Maße und Preise, die vom Rat der Stadt vorgegeben waren, eingehalten wurden. Den Marmorformen, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, ist zu entnehmen, daß die Maße für Gewichte und Rauminhalte standardisiert waren und kontrolliert wurden. Verschiedene Größen der Amphoren und Dachziegel weisen gleichfalls darauf hin. Agoranomoi waren auch bevollmächtigt, als Sicherheitskräfte aufzutreten. Wir müssen noch hinzufügen, daß sie, da Assos ja einen Hafen besaß, auch für den Zoll, der auf exportierte und importierte Waren erhoben wurde, zuständig waren.  
Die Aktivitäten begannen früh am Morgen, gewürzt mit Vorträgen über Rhetorik, Philosophie, Poesie und Ethik von reisenden Lehrern (Sophisten), die, von Studenten umringt, auf den schattigen Stufen der Agora oder der Stoa saßen. Sie verdienten ihr Geld mit den Gebühren, die nach den langen Vorträgen erhoben wurden. Auf einer Seite der Agora vermarktete ein Schriftsteller die Kopien seiner Bücher, während auf der anderen Seite begeisterte Debatten stattfanden. Einige Leute verbrachten ihre Zeit damit, von einer Gruppe zur anderen zu gehen, oder die Bäder aufzusuchen, oder gingen ihrer Arbeit nach, die sie über die Agora führte, andere waren auf dem Weg zum Rathaus (Bouleuterion) nahe dem Ostausgang der Agora.  
^ oben
BOULEUTERIUM (Rathaus)  
Der Rat trat regelmäßig zusammen, besprach Verwaltungsangelegenheiten, und traf Entscheidungen. Fünfzig Männer, die von den Abgeordneten (prytan) gewählt worden waren, waren immer im Dienst. Sie wohnten in Gästehäusern des Staates und wurden auf staatliche Kosten verpflegt.  
Dieser Rat mußte Emissäre empfangen und entsenden, Steuern erheben, Beamte kontrollieren und Flotten- und Geldangelegenheiten verwalten. Außerdem durften sie Strafen bis zu einer Höhe von 500 Drachmen aussprechen. Mitglieder des Rates besaßen das Privileg, freien Eintritt im Theater zu haben und dort auf einem Ehrensessel zu sitzen.  
Der Stadtrat von Assos bestand aus etwa 150 Abgeordneten. Da 50 Abgeordnete von jedem Phylum (Stamm) kamen, kann angenommen werden, daß die vom Stadtstaat regierten Satellitensiedlungen aus drei ‘Phyle’ genannten Gruppen bestanden. Das Rathaus ist ein einstöckiges Gebäude und mißt 20,62 x 21 Meter. Zur Agora hin hat es fünf Tore. Vier steinerne Säulen, von denen zwei während der Ausgrabungen gefunden wurden, stützten das hölzerne Dach. Keiner der Steinbänke, auf denen die Ratsmitglieder saßen, ist in intaktem Zustand gefunden worden.  
Die dorischen Säulen des Portals haben eine Durchmesser von 63 Zentimetern, während die Säulen, die das innere Dach trugen, 75 cm maßen. Wesentliche zusätzliche Detailinformationen zu diesem Gebäude sind leider noch nicht vorhanden, da es sehr zerstört wurde. Ein unterirdisches Treppenhaus führte südlich vom Bouleuterion am Eingangstor der Agora zu einem Wasserreservoir. Südlich dieses Tores gibt es ein weiteres Gebäude.   

DER AGORA-TEMPEL
Am Westende der Agora befindet sich auf einem Podest ein Tempel mit vorgelagerten Säulen mit den Maßen von 16,50 x 10 Metern. Nur das Fundament ist bis zum heutigen Tag erhalten. Nach dem 5. Jh. n. Chr. ist es vermutlich in eine Kirche verwandelt worden. Wahrscheinlich ist dieses Gebäude zur gleichen Zeit wie die Agora entstanden.  
^ oben
THEATER
Die mit Steinen gepflasterte Straße vom Westtor zur Agora führt zuerst zu den Bädern und dann zum Theater. Das dem Meer und der Insel Lesbos zugewandte Theater wurde in eine natürliche Felshöhlung in den Hang südlich der Stadtmitte gebaut. Nach Technik und Bauplanung stammt es aus späthellenistischer Zeit. Sehr wahrscheinlich wurde es an Stelle eines älteren gebaut. Unebenheiten in der Felsoberfläche wurden mit Erde und Geröll ausgeglichen, und zu beiden Seiten des Auditoriums (Theatron) Gewölbe gebaut, so daß ein Halbkreis entstand. Auf Grund der Topographie wurde der Kreis nach außen hin nicht vollendet. Besucher konnten das Auditorium entweder direkt von der gepflasterten Straße von der Agora her durch einen unterirdischen Gang mit Doppelgewölben erreichen, oder über die Gänge zwischen Bühne (Skene) und Theatron. Diese Gänge und die unterirdische Passage wurden bei den jüngsten Grabungen freigelegt. Nach dreizehn Sitzreihen kommt ein Gang, (diazoma), und danach weitere 15 Sitzreihen. Das Auditorium hinter der zweiten Diazoma mit acht Reihen von engen und steilen Sitzen.  
Zu beiden Seiten der Paradoi befinden sich zwei Räume mit Tunnelgewölben. Es wird angenommen, daß diese kleinen Räume, die sich nirgendwohin öffneten, Büros zum Eintrittskartenverkauf oder für Beamte gedacht waren.  
Das kleine Bühnenhaus wurde im Lauf der Zeit erweitert. Es ist 19,14 Meter breit und zweigeschossig. Das Fundament des Erdgeschosses ist gut erhalten. Das Bühnenhaus war in drei Räume aufgeteilt, die untereinander mit Türen verbunden waren. Die Fassade enthält, wie häufig in Klassischen Theatern zu sehen ist, drei Türen, wovon die mittlere breiter und höher als die anderen ist. Sie öffnen sich zum Proszenium (proskene), das üblicherweise 3,5 Meter höher als der Boden des Orchesterkreises ist. Eine der kleineren Türen ist der Ausgang (exodus), die andere der Eingang (eisodos). Die mittlere Tür symbolisiert sowohl Eingang als auch Ausgang des Palastes. Das Proszenium, auf dem die Schauspieler spielten, war 2,5 Meter breit. Die Aufführungsfläche wurde vorne durch zwölf halbrunde Säulen gestützt.  
Das Orchester, auf dem sich der Chor und die Musiker befanden, maß 20.5 Meter im Durchmesser und ist vom Auditorium durch eine steinerne Brüstung getrennt. Das Theater, daß Sitzplätze für 5000 Zuschauer hatte, wurde bei einem Erdbeben von einem Erdrutsch beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem wurden ihm viele Steine entnommen, da es in späteren Jahrhunderten als Steinbruch diente. Jetzt, nachdem es ausgegraben ist, wird es für die Restaurierung vorbereitet.  
Das Theater spielte eine bedeutende Rolle im städtischen Leben von Assos, wie in den meisten ägäischen und mediterranen Städten. Dramenwettbewerbe wurden organisiert und Tragödien und Komödien von Schriftstellern wie Sophokles und Euripides aufgeführt. Feierlichkeiten, Prozessionen und Belustigungen wie das dionysische Weinfest fanden im Theater statt. Die Darbietungen fingen oft in der Morgendämmerung an und dauerten bis zum Sonnenuntergang. Die Zuschauer erschienen mit ihren Kissen, Baldachinen und Essen, das sie während der Aufführungen verzehrten. Die Spiele fanden in einer jahrmarktähnlichen Atmosphäre statt.  
Obwohl die Theater im Christentum an Bedeutung verloren, wurden sie dennoch zu anderen Zwecken weiter genutzt. Diesem Umstand verdankt das Theater von Assos sein Überleben.  
^ oben
DER WOHNBEZIRK SÜDLICH DES GYMNASIUMS
 
Während der Forschungsgrabungen südlich des Gymnasiums von 1992 deuteten Funde darauf hin, daß dies einer der Wohnbezirke der Stadt war. Die Ausgrabungen von 1993 und 1994 brachten eine faszinierende Häuserzeile zum Vorschein.  
Diese etwa 1000 Quadratmeter große Fläche zeigt eine Hauptstraße, die in nordwestlicher Richtung verläuft und von einer Seitenstraße rechtwinklig gequert wird. Die Hauptstraße mit ihren großen Steinplatten wird gesäumt von rechteckigen Häusern mit einer Grundfläche von 90 - 110 Quadratmetern. Der Hof des Hauses im Nordwesten ist ebenfalls mit großen Steinen gepflastert, und nach Norden zu befinden sich Spuren einer großen Zisterne. Tonwaren, die hier gefunden wurden, deuten darauf hin, daß diese Häuser zwischen dem 1. und 3. Jh. bewohnt wurden. Als sie verfielen, wurden über ihnen andere Häuser errichtet.  
Ein gedeckter Abwasserkanal führt von der Westmauer über die südöstliche Ecke des Hauses zur Straße. Diese Häuser wurden aus Geröll gebaut, daß mit Matsch zusammengehalten wurde. Die Mauern der wahrscheinlich eingeschossigen Häuser waren 60 Zentimeter dick. Sie sind nicht besonders gut gebaut.  

Die Ausgrabungen dieses Wohnbezirks genügten, um zu zeigen, daß die Stadt ein regelmäßiges Straßenraster besaß.  
^ oben
HÄUSER AUF DEM OSTHANG  
Ausgehend von den bedeutenden und prächtigen Gebäuden auf dem Osthang ist es möglich, einige Informationen über die Stadtplanung, ökonomische und politische Besonderheiten und bauliche Konzepte zu erhalten; es kann aber nur wenig über die Häuser, in denen sich ein Teil des täglichen Lebens abspielte, gesagt werden. Um hierzu mehr zu erfahren, wurden während der Sondierungsarbeiten auf dem Osthang einige benachbarte Häuser auf den Terrassen freigelegt. Die Beispiele, die gefunden wurden, folgten keinem regelmäßigen Bauplan. Aus den Veränderungen ist zu entnehmen, dass sie über lange Zeit genutzt wurden. Jedes Haus besteht aus zwei oder drei Räumen und waren aus gespaltenen Steinen mit Lehmmörtel gebaut. In der Antike bevorzugten die Menschen, besonders die Männer, einen extrovertierten Lebensstil, also waren die Häuser allgemein nicht groß und sorgfältig ausgeschmückt. Das Mobiliar war gleichfalls einfach. Der Landhausgedanke kam erst mit den Römern auf. Zudem wohnten die Menschen in benachbarten und rückwandig aneinander gebauten Häusern aus einfachem Material, weil es in einer Stadt wie Assos, die keine weiten ebenen Flächen besaß, schwierig war, große Häuser zu bauen. Jedes Haus hatte einen kleinen Hof. Vielleicht stellt sich in der Zukunft noch heraus, ob es in diesen Höfen eine allgemeine Wasserversorgung gab. Abgesehen von den Zisternen, gibt es außerhalb der Stadt Hinweise darauf, daß Wasser vom Berg Ida mit Hilfe von u-förmigen Rohren in die Stadt geleitet wurde.  
Es gab keine schattigen Parks oder von Bäumen gesäumte Straßen in der Stadt. Besucher können sich die antike Stadt eher vorstellen, wenn sie sich den Aufbau des heutigen Dorfes anschauen. Das Vorhandensein eines Abwassersystems ist noch nicht nachgewiesen worden. Nach bislang vorliegenden Erkenntnissen, ist das Haus, das während der Sondierungen freigelegt wurde, zuletzt im 6. Jh. N. Chr. bewohnt gewesen.  
Während der Aufräumungsarbeiten um den Athena-Tempel auf der Akropolis wurde die Existenz einer Reihe von Häusern nachgewiesen, die den Stylobat des Tempels kreisförmig umgaben und ihn als Mittelhof nutzten. Diese eingeschossigen Häuser, aus Steinmauern und mit Steinböden, wurden während des Ausbaus der Befestigungen als innere Zitadelle oben auf den Hügel gebaut, um die Akropolis zu verteidigen. Der Grund dafür waren die zunehmenden Überfälle durch Piraten.  
In dieser Zeit wurden auch die halbkreisförmigen und quadratischen Türme, die heute um die Akropolis herum zu sehen und teilweise restauriert sind, zusammen mit den sie verbindenden Mauern aus Kalkmörtel, gebaut.  
Die Ernährung der Menschen in der Antike war so einfach wie ihr häusliches Leben. Die Fischerei war entwickelt, da Assos eine Küstenstadt war. Fisch war Nahrungsbestandteil der Armen. Sepia und Kalamaris wurde ebenfalls gegessen. Gemüse war rar und die Arten begrenzt, also auch teuer. Rindfleisch kam nur bei den Reichen häufig auf den Tisch. Die Mittelklasse und die Armen konnten nur anläßlich der heiligen Festzeremonien Fleisch essen, wenn Tiere geopfert wurden und ihr Fleisch geröstet und verteilt wurde. Andererseits war Geflügel und Schweinefleisch billiger. Ein Schweineferkel kostete 3 Drachmen.  
Zum Frühstück gab es zu Gerstenbrot Käse, Ziegen- und Schafsmilch, -von beiden wurden in Assos viele gezüchtet-, Pinienhonig und Oliven von den Ausläufern des Berges Ida.  
Mittags und abends wurde Fisch mit Gerstenbrot gegessen und Wein aus Schläuchen aus Ziegen- oder Schafshäuten getrunken. Zu besonderen Anlässen und Festlichkeiten mag es auch Weizen- oder anderes Brot gegeben haben... . Rotwein, der meistens süß und schwer war, wurde durch Hinzufügen von etwas salzigem Wasser etwas von seiner Schwere genommen. Suppe war ebenfalls beliebt, besonders Gerstensuppe, ‘kokeon’ genannt, mit Kreuzkümmel versetzt, bei Bauern und Hirten.  
Örtliche Früchte wie Haselnüsse, Walnüsse, Granatäpfel, Weintrauben und Feigen wurden normalerweise als Nachspeise gereicht. Die Eßkultur wurde in römischer Zeit wesentlich weiterentwickelt. Das Kochbuch des Apicius, das es heute noch gibt, vermittelt einen Überblick über die Vielfalt und den Reichtum dieser Küche.
^ oben
DER TEMPEL DER ATHENA  
Wenn in antiker Zeit Reisende, die sich von Lecton oder Polymedion im Westen, oder von Gargara und Antandros im Osten, Assos näherten, sahen sie auf einem felsigen Hügel ein Gebäude, das sich in den klaren blauen Himmel erhob, mit dem Meer im Hintergrund. Zur gleichen Zeit war es mit seinen scharf umrissenen dorischen Säulen ein wohlbekanntes Wahrzeichen für Seeleute, das sie aus großer Entfernung erkennen konnten, wenn sie sich vom Meer her näherten. Es war der Tempel, der der Göttin gewidmet war, die die Stadt beschützte.  
Als die Menschen von Assos anfingen, im 6. Jh. v. Chr. ihre Stadt zu gründen, waren ihnen zwei Dinge wichtig. Zuerst errichteten sie starke Stadtmauern, und dann einen Tempel für ihre Göttin, die auf diese Mauern hinunterblickte und sie unter ihre schützenden Flügel nahm.  
Der Boden der Akropolis wurde geebnet, und der Tempel in nordwestlich - südöstlicher Richtungsachse aus örtlichem Assos-Stein erbaut. Entsprechend anatolischer Tradition war der Eingang dem Osten zugewandt.  
Als die Menschen von Assos den Tempel bauten, war ihnen nicht bewußt, daß sie etwas, auch für Jahrhunderte danach, sehr Originelles erstellten. Ihr einziger Wunsch war, ihre Göttin zufriedenzustellen, und so von Ihr beschützt zu werden. Das Bauwerk ist aber auch für uns aus architektonischer Sicht bedeutsam. Primär ist es das erste und einzige Bauwerk im dorischen Stil in Anatolien. Dann ist es das einzige Beispiel für eine Vermischung dieses Stils mit ionischen Stilelementen im Friesrelief und einigen Ornamenten. Mit diesen Merkmalen nimmt der Tempel einen einzigartigen Platz in der Geschichte der Architektur Anatoliens ein.  
Er besteht aus einem inneren rechtwinkligen Raum, der außen von einer Säulenreihe umgeben ist. Der östlich gelegene Altar, den es nach hellenistischer Tradition gegeben haben muß, denn der Religion entsprechend war er die Heimstatt Gottes, ist noch nicht gefunden worden. Es muß einen Gegenstand oder eine Skulptur gegeben haben, die diesen Gott oder diese Göttin in dieser Heimstätte repräsentierte. Dort befand sich auch das heilige Feuer, das in einem Dreifuß brannte. Im Tempel wurden Opfergaben aufbewahrt, und mit Ausnahme von Priestern und Nonnen durfte ihn niemand betreten. Die heilige Kulthandlung fand draußen statt, es wurden Trank- und andere Opfer dargebracht und Hymnen gesungen. Der Altar dieses Tempels wurde vielleicht in byzantinischer Zeit zerstört.  
Der Tempel ruht auf einem zweistufigen Fundament. Dadurch wird im Westen die Form eines Podiums erreicht. Die Stufen sind 28 Zentimeter hoch und ein sorgfältig ausgearbeitetes polygonales Muster verziert die senkrechten Teile der Stufen.  
Die Fläche, auf der die Säulen standen, mißt 30,31 x 14,3 Meter, dies entspricht einem Verhältnis von 1 zu 2,79. Die innere Struktur des Tempels weist einen Vorraum (pronaos) und eine heilige Kammer auf (naos). Die Innenbreite des Vorraums beträgt 6,65 Meter, die Tiefe 3,30 Meter. Es gibt zwei Säulen (in antis) zwischen den Eingangspfosten der Mauer. Diese Säulen haben einen Durchmesser von 91 Zentimetern und sind dorisch mit 18 Hohlkehlen. Der ‘naos’ wird durch eine 1,65 Meter betreten. Diese Tür war eventuell zweiflügelig. Ein Mosaik, bestehend aus schwarz-weißen Marmorstücken mit Zickzack- und Mäandermotiven, wurde 1881 auf dem Boden der ‘naos’, der heiligen Kammer, in der die Göttin auf einem Fundament stand, freigelegt. Es wurde hergestellt, indem man Steine in den Mörtel drückte. Leider befindet es sich heute nicht mehr an seinem ursprünglichen Ort; es blieb nur gebrochener Mörtel.  
Heute kann man aber noch die Spuren der Mauer der 'naos' auf dem Boden erkennen. Die Steine der Mauer wurden zu nicht bekannter Zeit entnommen und wiederverwendet.  
Sechs Säulen an den Stirnseiten und Dreizehn an den Längsseiten umgeben außen in Reihe das Gebäude, also insgesamt 34 Säulen. Zur Zeit sind 32 Kapitelle in gutem Erhaltungszustand wieder aufgefunden worden. Weitere wurden vom Hafen und dem Dorf, von den Hängen und aus den Mauern anderer Gebäude wieder in den Bereich des Tempels gebracht. Die Mehrzahl der Säulen war zerbrochen und abtransportiert worden. Die in der Nähe gefundenen sind für die Restauration des Tempels wieder verwendet worden. Ohne Kapitelle sind sie 4,30 Meter hoch, mit ihnen 4,78 Meter. Die Höhe der Säulen entspricht einem Drittel der Breite des Stylobats. Die Höhe der Trommeln, die die Säulenschäfte bilden, variiert von 60 bis 140 Zentimeter. Der Durchmesser der unteren Trommeln beträgt 91 Zentimeter, der der oberen (unter den Kapitellen) 64 Zentimeter. Sie besitzen 16 Hohlkehlen. Die scharfe Kante zwischen zwei Kehlen steht senkrecht zur Ecke des Stylobats. Die Spannweite von Säulenmitte zu Säulenmitte beträgt an den Längsseiten 2,45, an den Stirnseiten 2,61 Meter. Der Raum zwischen Säulenreihe und der Mauer der 'naos' (pteroma) ist mit 3,03 Metern recht breit.  
Obwohl die Polster der Kapitelle (echinos) alle niedrig und flach sind, da sie aus dem 6. Jh. v. Chr. stammen, besitzt dennoch jede Säule ein eigenes Profil. Das weist darauf hin, daß verschiedene Handwerker beim Bau des Tempels tätig waren. Wie bei nahezu allen dorischen Bauwerken, waren die Ringe des Säulenhälse unter den Kapitellen wahrscheinlich bemalt; eine Vorstellung, die durch vorgefundene Spuren von Farben gestützt wird.  
Über den Kapitellen befindet sich als Verzahnungs- und stützendes Konstruktionselement das Epistyl (Architrav). Die Maße der Architravblöcke sind unterschiedlich, sie liegen zwischen 2,40 und 2,60 Meter. Sie wurden mittels Krampen mitten auf den Kapitellen aneinandergefügt. Die Oberfläche des Architravs war an den Schmalseiten mit Skulpturenreliefs verziert. In der Mitte beider Seiten saßen sich zwei Sphinxe gegenüber. In der linken Ecke wird Herakles dargestellt, wie er auf einen davonrennenden Zentauren schießt. Rechts befinden sich Reiter und Betende, und in der Ecke, Herakles, der mit einem fischleibigen Meeresgott kämpft. An den anderen Seiten werden Löwen, die einen Hirsch angreifen, und eine Bankettszene dargestellt. Unter den Funden befinden sich auch Architravblöcke ganz ohne Reliefs, was darauf hindeutet, daß der obere Teil des Bauwerks vollständig von einem Fries umgeben war.  
Von den auf den Friesen gezeigten Themen ist vor allem der Mythos der Zentauren hervorgehoben. Nach diesem Mythos kommt Herakles zu einer Höhle auf dem Berg Pholos, während er den Erymanthischen Bären jagt. Der Berg hat seinen Namen von einem Zentauren, der in der Höhle wohnt. Die Zentauren, halb Mensch, halb Pferd, sind streitsüchtige Wesen, aber Pholos nähert sich Herakles mit Sympathie und bietet ihm geröstetes Fleisch an. Dionysos, der Gott des Weines, hatte dem Pholos, Sohn des Silenus, einen Krug Wein geschickt, versehen mit der Warnung, ihn nicht zu öffnen, bevor Herakles käme. Pholos öffnet ihn zu Ehren seines Gastes. Obwohl der Wein gut ist und ein feines Aroma besitzt, werden die anderen Zentauren, als der Duft sich ausbreitet, dadurch in Erregung versetzt und tollwütig. Sie greifen Herakles mit Stöcken und Steinen an. Herakles jagt sie zuerst mit brennendem Holz und treibt sie auseinander. Dann greift er sie mit seinen Pfeilen an. Nephele, die Mutter der Zentauren (und Schöpferin der Wolken), läßt einen heftigen Regen auf Herakles herunterfallen, in dem er nicht mehr auf den Füßen stehen bleiben kann, geschweige denn jagen. Trotzdem stirbt der mutigste der Zentauren und die anderen rennen fort. Dieser Mythos ist symbolisch auf den Friesen dargestellt.  
Die Triglyphen, die auf dem Architrav zu sehen sind, stellen ein typisches Merkmal der dorischen Ordnung dar. Sie waren ein funktionales Element von Holzkonstruktionen, die zu einem ornamentalen Element von Steinbauten wurden. Über jede Säule wurde ein Triglyph gesetzt. Mit dazwischen angebrachten Platten (Metopen) wurden sie miteinander verbunden. Auf den Reliefs der Metopen wurden ein Bär, ein Zentaur, zwei sich gegenüber stehende männliche Gestalten, eine Sphinx, Reiter und sich im Wettkampf befindende Athleten dargestellt. Die Metopenkränze wurden mit einem Motiv in Form von lesbischen Blättern als einem typischen äolischen Architekturmerkmal verziert. Auf dem dreieckigen abschließenden Teil des Schrägdaches (Pediment) ist weder ein Relief noch eine andere Verzierung zu finden. Auf dem Scheitelpunkt des dreieckigen Pediments befindet sich ein Akroterium (Gipfelverzierung) mit Spiralornamenten und auf den unteren Winkeln zwei Akroterien in Form von Sphinxen oder mythischen Greifen.  
Das Dach war mit dunkelbraun gefärbten Ziegeln gedeckt. Nach den gefundenen Skulpturteilen zu urteilen, muß das Bauwerk um 525 v. Chr. fertiggestellt gewesen sein. Unglücklicherweise sind nur wenige der hier identifizierten Skulpturen vor Ort geblieben, bzw. sind überhaupt noch erhalten. Zuerst wurden einige der Reliefs 1838 in den Louvre gebracht. Dann wurden wichtige Teile der Reliefs und andere Kunstwerke, die bei kleineren Ausgrabungen während der amerikanischen Unternehmung von 1881 freigelegt wurden, dem Museum von Boston übergeben. Die Reste des Gebäudes werden jetzt mit Stücken restauriert, die bei den türkischen Ausgrabungen seit 1981 entdeckt wurden.
^ oben
DER HAFEN VON ASSOS  
Die Pflasterstraße führte von der Westnekropole durch die Stadt hinunter zum Hafen. Die Ausläufer der felsigen Hügel, die bis zum Meer hinunterreichen, lassen nur einen schmalen Streifen an der Küste frei. Deshalb konnte sich hier keine richtige Ansiedlung entwickeln. Jedoch wurde ein Hafen gebaut, der den einzigen Zugang zum Meer bildet. Heute können Rest eines älteren Hafens, die die im 19. Jh. restaurierte Mole umgeben, und die Schwellensteine der antiken Mole, 90 Zentimeter breit und 2 Meter lang, klar erkannt werden, wenn man vom Hügel hinunter blickt. Eine weitere Mole ist 50 Meter westlich davon ebenfalls noch entdeckt werden. An der Stelle, wo sie auf die Küste trifft, befindet sich eine Quelle, deren Wasser sich unmittelbar auf den Strand ergießt. Dieses Wasser wird wahrscheinlich schon seit der Antike und bis heute genutzt.  
Der große Hafen war im 19. Jahrhundert ein Kai, von dem Eicheln aus dem Hinterland, die als Färbemittel industriellen Zwecken dienten, exportiert wurden. Deswegen wurde er natürlich von Zeit zu Zeit ausgebessert und hat dadurch sein ursprüngliches Erscheinungsbild verloren.   
^ oben
DIE HEUTIGE HAUSARCHITEKTUR IN ASSOS  
Soweit wir heute wissen, reicht die Geschichte von Behramkale zurück bis in die Bronzezeit, und die Architektur des Dorfes, die sich innerhalb der antiken Stadtmauern entwickelte, unterscheidet sich deutlich von der der umgebenden Dörfer, sowohl von der Struktur, als auch von der handwerklichen Ausfertigung her. Dies ist  auch bedingt durch die Lage der Gebäude und ihrer Anpassung an die Gegebenheiten der Landschaft, die Möglichkeiten für topographische Kunstgriffe bietet. Die Häuser unterscheiden sich auch dadurch. Je nachdem, in welcher Zeit sie gebaut wurden. So sind natürlich die Anlagen und Bautechniken der Häuser, die zu Anfang des Jahrhunderts, oder die, die in den vierziger oder achtziger Jahren gebaut wurden, sehr unterschiedlich. Alle aber bestehen aus lokalem Basalt. 
Die alten Gebäude mit Flachdächern wurden aus grob behauenen Steinen mit Lehmmörtel gebaut. Zuerst wurden für die Dächer Steinplatten auf Holzsparren gelegt, darüber kam eine Schicht aus gepreßtem Schlamm, die mit kleinen Bruchsteinen aus der Umgebung, strecher genannt, bedeckt wurde. Mit Hilfe eines zylindrischen Steins, der über das Dach gerollt wurde, erfolgte die Verdichtung dieser Komponenten. Die Häuser, die zwischen 1960 und 1980 gebaut wurden, sind mit Ziegeldächern versehen. Hier wurde die Größe der Zimmer und der Fenster kleiner gehalten, um Wärmeverlust zu vermeiden. 
Erst in neuerer Zeit wird Glas in den Fenstern verwendet, vorher waren nur hölzerne Schlagläden in Gebrauch. In zwei Räumen jeden Hauses gab es Feuerstellen, Wandschränke und abgetrennte Waschecken. Von diesen Räumen ist keines mit einer Sitzbank als Sofa versehen. Diese befinden sich im Hauptraum an der Wand, mit einem Kilim oder Teppich bedeckt, und einem Kissen für den Rücken.
^ oben